Wie weit die Künstliche Intelligenz bereits zum Einsatz kommt, können wir als Nutzer, Bürger, Kunde oder Bewerber nur erahnen. Umso wichtiger ist es frühzeitig eine umfassende Ethik-Debatte zu führen um möglichst ein internationales Verständnis für zu schützende Werte zu erzielen – ähnlich den Bestrebungen um einen international harmonisierten Datenschutz. Denn während KI-Aspekte wie die Gesichtserkennung durch Sicherheitsbehörden noch vornehmlich in nationaler Souveränität reguliert werden können, sind der automatisierte Börsenhandel, Bonitäts- und Risikobewertungen sowie Bewerbungsprozesse meist Gegenstand des globalisierten Handels internationaler Konzerne. Die Auswertung von Live-Webcam-Bildern durch Algorithmen können demnächst nicht nur über einen fairen Zugang, sondern über Karrieren, Kredite und Konditionen entscheiden. Die positiven Aspekte dieser „schönen neuen Welt“ gehen aber auch zu oft unter. Ich habe mich dieses Jahr schon mehrfach gefragt, ob KI uns nicht viel stärker bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie hätte helfen können? In der vorausschauenden Berechnung von Infektionshotspots, in der abstandswahrenden Steuerung von Menschenmassen, in der Erkennung von potenziellen Infektionsverbreitern, in der Berechnung von Bestuhlungs- und Belüftungskonzepten? Angesichts der puristischen Corona Warn App, erscheinen diese Gedanken sehr futuristisch. Natürlich frage ich die Expertin Miriam Klöpper auch hier zu ihrer Einschätzung…
Miriam Klöpper im Turtlezone Interview
Miriam Klöpper ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am FZI Forschungszentrum Informatik im Forschungsbereich Information Process Engineering. Nach einem Bachelor-Studium am Karlsruher Institut für Technologie mit dem Schwerpunkt Technikfolgenabschätzung studierte sie am King's College London War Studies. Als Doktorandin forscht sie aktuell zu Themen wie Predictive People Analytics, Digitalisierung und Mitbestimmung der Arbeitswelten sowie zum fairen und ethischen Umgang mit Künstlicher Intelligenz. Im Turtlezone-Interview steht auch die KI im Mittelpunkt, die mit großen Schritten Einzug in unsere Arbeitswelten und unser gesellschaftliches Leben erlangt. Automatisierten Bonitätsbewertung und Kreditvergaben werden ebenso Standard wie die algorithmus-basierte Analyse von Lebensläufen und die Kandidaten-Vorauswahl in Bewerbungsprozessen. Wenn wir also über Künstliche Intelligenz und Ethik sprechen, ist die Debatte darüber dann stark von der Frage geprägt, welche ethischen Voraussetzungen KI braucht um gesellschaftliche Akzeptanz zu erlangen. Denn häufig, und oft auch berechtigt, machen sich Menschen Sorgen um die Folgen und haben nur sehr abstrakte, an Science-Fiction-Romane und -Filme erinnernde, Vorstellungen. Kommunikation ist erforderlich und ein gemeinsames Werteverständnis. Oliver Schwartz spricht mit Miriam Klöpper über Fairness und Zugang, einem Forschungs-Aspekt, der ihr besonders am Herzen liegt und ihren eigenen Umgang mit modernen, datenhungrigen Technologien. 45 spannende Minuten!
Episode 026 v. 10.12.2020